Interview NEUREUTER FAIR MEDIA mit Roland Bleinroth, Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart GmbH

NEUREUTER FAIR MEDIA (NFM):
Herr Bleinroth, mit Interesse verfolgen wir Ihren Auftritt bei Facebook. Bereits mehr als 2.200 Personen tun dies ebenfalls. Was erwarten Sie sich davon für die Zukunft?


Roland Bleinroth:
Facebook wird sicher weiterhin als Marketingmedium an Bedeutung gewinnen. Da immer mehr Menschen über Facebook vernetzt sind, schätzen sie auch diesen Informationskanal für Themen, die für sie von Interesse sind. Somit erlauben Social Media Angebote, bei denen sich die Nutzer selber aktiv entscheiden Informationen zu einem Thema zu erhalten, eine hohe Effizienz bzw. geringe „Streuverluste“ in der Kommunikation.

NFM:
Viele Aussteller überprüfen gegenwärtig die Effizienz ihrer Messebeteiligungen. Wie unterstütz die LMS ihre Aussteller dabei?


Roland Bleinroth:
Die LMS unterstützt Aussteller u. a. durch zielgerichtetes Besuchermarketing und effiziente Bestellprozesse für Serviceleistungen aus einer Hand über das neue Online Bestellportal.Veranstaltungsbezogen unterstützen wir durch Besucherumfragen und erstellen Analysen. Der AUMA Nutzencheck ermöglicht es Ausstellern ihr jeweiliges Kosten-Nutzen-Verhältnis bei einer Messebeteiligung zu berechnen.

NFM:
Immer wieder wird über den wachsenden weltweiten Messewettbewerb gesprochen. Welche Chancen geben Sie mittel- und langfristig dem Standort Deutschland?


Roland Bleinroth:
Der Messestandort Deutschland hatte lange Zeit die Nummer 1 Stellung bei der der Durchführung internationaler Messen inne und dies ist auch heute noch so. Zwei Drittel aller weltweiten Leitmessen finden in Deutschland statt. Neben den organisatorischen Rahmenbedingungen schätzen Aussteller und Besucher die Nähe zu ihren Kunden bzw. Lieferanten. Da Deutschland auch in Zukunft ein wirtschaftlich führendes Land sein wird, hat der Messestandort Deutschland auch weiterhin gute Chancen, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Die langjährige Erfahrung der Messegesellschaften mit internationalen Messen, die teilweise weltweit etablierten Marken sowie die effiziente Infrastruktur zumindest auf den modernen Messegeländen, unterstützen diese Positionierung.

NFM:
Wie positioniert sich Ihr Unternehmen im nationalen und internationalen Wettbewerb?


Roland Bleinroth:
Die Messe Stuttgart ist mit fokussierten Fachmessen sowie besucherorientierten Publikumsmessen im Markt überdurchschnittlich erfolgreich. So konnte das neue Messegelände in Stuttgart, dass gegenüber dem alten Gelände, rund doppelt so viel Ausstellungsfläche bietet, schon im ersten vollen Betriebsjahr (2008) den höchsten Auslastungsgrad in Deutschland erringen. Besonders für die Fachmessen ist in der Regel die internationale Vermarktung wichtig, um so ausländische Aussteller und Besucher für eine Beteiligung an unseren Messen zu gewinnen. Für diesen Zweck hat die Messe Stuttgart ein effizientes Netz von Auslandsvertretern aufgebaut, die insgesamt 54 Länder abdecken. Daneben werden auch in zunehmenden Maße Stuttgarter Messethemen im Ausland, meist in Kooperation mit lokalen Partnern, organisiert. Dies ermöglicht eine Intensivierung der Kundenkontakte im Ausland, was letztendlich auch den inländischen Messen wieder zugute kommt.

NFM:
Wie Sie vielleicht wissen haben wir gerade eine neue Tochterfirma in Indien gegründet. Wie sehen Sie die gegenwärtige Entwicklung der Messeindustrie in Indien, und gibt es bereits konkrete Projekte der Messe Stuttgart?


Roland Bleinroth:
Die Messe Stuttgart beschäftigt sich seit geraumer Zeit intensiv mit dem Messemarkt Indien. Die Messelandschaft in Indien ist noch sehr stark zersplittert und es besteht ein starker Mangel an moderner Messeinfrastruktur. Dennoch sehen wir mittelfristig für einige Themen in unserem Portfolio großes Potential in Indien. Seit einigen Jahren führen wir bereits einen Fachkongress zur Weinbautechnologie in der Nähe von Mumbai durch.

NFM:
Die Landesmesse Stuttgart hat bereits ein umfangreiches Messeprogramm. Was tun Sie, um neue Messen zu entwickeln oder ist der Markt für Messethemen gesättigt?


Roland Bleinroth:
In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Messeteams beschäftigt sich eine eigene Abteilung mit der Entwicklung neuer Messen. Wir überprüfen kontinuierlich unser bestehendes Portfolio um es zu erweitern und gleichzeitig aus betriebswirtschaftlicher Sicht kritisch zu hinterfragen. Gemeinsam mit der ausstellenden Wirtschaft, den Fachverbänden als auch Medienpartnern werden neue Themen und Entwicklungen analysiert - daraus resultierten alleine in 2012 zwei neue Messethemen, die dieses Jahr zum ersten Mal an den Start gehen – die „Battery Storage“ und „Die besten Jahre“.

NFM:
Haben die realen Messen noch den gleichen Stellenwert angesichts virtueller Plattformen?


Roland Bleinroth:
Die realen Messen werden solange nicht ihren Stellenwert verlieren, wie der persönliche Kundenkontakt eine ausschlaggebende Rolle spielt. Diese Komponente kann über virtuelle Medien nur in sehr begrenztem Maße abgebildet werden. Gerade das persönliche Erleben der Produkte, Dienstleistungen und potenziellen Geschäftspartner stellt aber in der Regel einen unverzichtbaren Bestandteil von Geschäftsentscheidungen dar. Virtuelle Plattformen wie auch Social Media sind zusätzliche, ergänzende Marketinginstrumente, aber kein Ersatz für die realen Messen.

NFM:
Welche Trends zeichnen sich in der Entwicklung von Messen generell ab?


Roland Bleinroth:
Der Trend zu (kleineren) fokussierten Fachmessen einerseits und zu internationalen Messen andererseits, wird sich in Zukunft weiter verstärken. Die ausstellende Wirtschaft überprüft ihre Messepräsenz kritisch anhand von Effizienzkriterien – auch im Verhältnis zu anderen, alternativen Vermarktungswegen. Somit gewinnt die Kosten-/Nutzeneffizienz zweifellos auch zukünftig weiterhin an Bedeutung. Dies begünstigt in der Regel fokussierte Fachmessen, die es Ausstellern und Besuchern ermöglichen, mit vergleichsweise geringeren Mittelaufwendungen, die richtigen Kundenkontakte zu bekommen. Außerdem wird die Internationalisierung der Messen gerade für die mittelständischen Aussteller weiterhin an Bedeutung gewinnen. Dies schließt auch die Beteiligung an Auslandsmessen ein.

NFM:
Aufgrund unserer überregionalen Präsenz auf allen großen Messeplätzen erkennen wir seit einiger Zeit, dass es immer wichtiger wird, den Ausstellern und Besuchern neben dem klassischen Print-Katalog ein breites Angebots-Spektrum von Informationsmedien on- und offline zur Verfügung zu stellen. Wie sehen Sie die Zukunft der Print-Kataloge und der Online-Portale? Was erwarten Sie dabei von uns als Ihrem Dienstleister?


Roland Bleinroth:
Der Trend Informationen immer aktueller zur Verfügung zu stellen und dem Nutzer die Handhabung zu vereinfachen, fordert von den Messegesellschaften als auch den kooperierenden Partnern diese Notwendigkeit aufzugreifen. Die Messe Stuttgart hat dies mit diversen Online-Diensten schon seit einiger Zeit aufgegriffen. So steht den Ausstellern ein Online-Service-Portal für nahezu alle Dienstleistungen rund um ihren Messeauftritt zur Verfügung. Die Besucher können ihr Eintrittsticket ebenfalls online aussuchen, kaufen und gleich ausdrucken. Zusätzlich stellen wir seit Neustem auch eine „Messe App“ kostenlos zur Verfügung, die unseren Besuchern schon im Vorfeld des Messebesuchs als Orientierungshilfe dient. Solche Online Dienste sehen wir nicht mehr als optional, sondern als eine Servicedienstleistung, die unsere Kunden erwarten.

NFM:
Wie sehen Sie die Zukunft der Messen und insbesondere die der LMS, als spannende Herausforderungen oder schwierige Zeiten?


Roland Bleinroth:
Rund 18.500 Aussteller, davon 21 Prozent aus dem Ausland, 1,17 Millionen Besucher und 55 Veranstaltungen jährlich: Das ist der aktuelle Erfolgsstatus der Messe Stuttgart allein am Standort Stuttgart, wo die Gesellschaft unter dem Motto „Mitten im Markt“ in Europas modernstem Messe- und Kongresszentrum ihre Messen durchführt. Aufgrund seiner exzellenten Geländeinfrastruktur – optimale Verkehrsanbindungen mit Flugzeug, Auto und Bahn – dem ausgewogenen Messeportfolio an Eigen- und Gastveranstaltungen im Publikums- und Fachmessebereich, sowie einem starken wirtschaftlichen Umfeld besteht kein Grund für Pessimismus. Im internen Erfolgsmaßstab der Messegesellschaften, dem Hallenumschlagfaktor, nimmt die Messe Stuttgart regelmäßig einen Spitzenplatz ein. 2012 erwarten wir das bis dato erfolgreichste Jahr für die Messe Stuttgart.

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