Interview NEUREUTER FAIR MEDIA mit Markus Geisenberger, Geschäftsführer der Leipziger Messe GmbH

NEUREUTER FAIR MEDIA (NFM):
Herr Geisenberger, Sie sind seit Herbst letzten Jahres Geschäftsführer der Leipziger Messe, wie waren Ihre ersten Monate im Amt?

Markus Geisenberger:
Das erste Halbjahr ist traditionell eine messestarke Zeit. Mein Einstieg in Leipzig war daher perfekt. Es waren sehr gute und intensive Monate. Wir konnten bereits etliche neue Dinge auf den Weg bringen. Ein besonderer Reiz meines neuen Arbeitsplatzes ist die Verknüpfung von Tradition und Moderne: Einerseits ist Leipzig die älteste Messe der Welt, andererseits die Jüngste und innovativste unter den Top Ten der deutschen Messegesellschaften gemessen am Veranstaltungsportfolio.

NFM:
Viele Aussteller überprüfen gegenwärtig die Effizienz ihrer Messebeteiligungen. Gehen die Unternehmen dabei rational genug vor?

Markus Geisenberger:
Das Vertrauen der ausstellenden Wirtschaft in das Marketinginstrument Messen ist unverändert hoch geblieben. Wichtig aber ist, dass Unternehmen bewusste Entscheidungen treffen. Das erhöht die Qualität der Veranstaltungen und führt insgesamt bei allen Beteiligten zu besseren Ergebnissen.

NFM:
Immer wieder wird über den wachsenden weltweiten Messewettbewerb gesprochen. Welche Chancen geben Sie mittelfristig dem Standort Deutschland?

Markus Geisenberger:
Mittelfristig behält Deutschland seine führende Rolle. Langfristig werden Fachthemen in andere Länder abwandern. Doch Deutschland profitiert von seinen gewachsenen Strukturen und wird sich weiter als zentraler und innovativer Messestandort behaupten, davon ich bin überzeugt.

NFM:
Wie positioniert sich Ihr Unternehmen im nationalen und internationalen Wettbewerb?

Markus Geisenberger:
Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir ein stark integrierter Messeveranstalter sind. Das heißt, wir bieten einen kompletten Service rund um Messen, Events und Kongresse aus einer Hand. Damit können wir bei Publikums- und Fachmessen gleichermaßen punkten.

NFM:
Wie sehen Sie die gegenwärtige Entwicklung der Messeindustrie in Indien, und gibt es bereits konkrete Projekte der Leipziger Messe?

Markus Geisenberger:
Indien entwickelt sich trotz aller steuerlichen und rechtlichen Probleme für einen Messeveranstalter zu einem spannenden Markt. Die Leipziger Messe konzentriert sich derzeit jedoch mit ihren Aktivitäten vor allem auf die Märkte Mittel- und Osteuropas. Hier verfügen wir über eine hohe Kompetenz, sehr gute Vernetzung und exzellentes Ansehen. Wir knüpfen dabei an die Themenkompetenzen und Erfahrungen der Messen in Leipzig an. Das ist aber keine Einbahnstraße. Dieses Engagement im Ausland stärkt wiederum unser Geschäft in Leipzig. So können wir mehr ausländische Aussteller und Besucher für Leipzig aus denjenigen Ländern gewinnen, in denen wir uns bei Veranstaltungen engagieren.

NFM:
Die Leipziger Messe hat bereits ein umfangreiches Messeprogramm. Was tun Sie, um neue Messen zu entwickeln oder ist der Markt für Messethemen gesättigt?

Markus Geisenberger:
Gerade nach Krisenzeiten werden die Karten neu verteilt. Für unsere Qualitäten – sehr gute Infrastruktur am Standort verbunden mit einer hohe Servicequalität und einem hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis – müssen wir kräftig die Trommel rühren. Wir führen intensive Gespräche mit Partnern, Verbänden und Gastveranstaltern. So erweitern wir bestehende Messen durch Zusatzthemen, entwickeln neue Messen wie die med.Logistica und holen zusätzliche Messen wie kürzlich die PostPrint an den Standort.

NFM:
Haben die realen Messen noch den gleichen Stellenwert angesichts virtueller Plattformen?

Markus Geisenberger:
Mehr denn je, denn das Internet kann das Sehen, Fühlen und miteinander Reden nicht ersetzen. Gerade in einer immer komplexer werdenden Welt suchen die Kunden die Nähe zu Herstellern, müssen Produkte stärker erklärt werden. Hinzu kommt der Erlebnisfaktor einer Messe mit einer sehr starken emotionalen Komponente.

NFM:
Welche Trends zeichnen sich in der Entwicklung von Messen generell ab?

Markus Geisenberger:
Ich sehe vor allem drei Entwicklungen. Erstens geht die Entwicklung weiterhin zu Fachmessen mit einem hohen Spezialisierungsgrad. Das sind schnelle und effiziente Plattformen, die flexibel auf Marktveränderungen reagieren. Zweitens werden Ausstellungen immer häufiger mit Vortragsprogrammen und Konferenzen kombiniert, sprich, die Kongressmesse ist ein immer wichtigeres Veranstaltungsformat. Ein weiterer langfristiger Trend ist meines Erachtens die „Kontinentalisierung des Messewesens“, das heißt weg von der Weltleitmesse hin zu regionalen Leitmessen.

NFM:
Aufgrund unserer überregionalen Präsenz auf allen großen Messeplätzen erkennen wir seit einiger Zeit, dass es immer wichtiger wird, den Ausstellern und Besuchern neben dem klassischen Print-Katalog ein breites Angebots-Spektrum von Informationsmedien on- und offline zur Verfügung zu stellen. Wie sehen Sie die Zukunft der Print-Kataloge und der Online-Portale? Was erwarten Sie dabei von uns als Ihrem Dienstleister?

Markus Geisenberger:
Beide Formate werden ihre Berechtigung behalten und sich gegenseitig ergänzen. Online-Angebote decken dabei stärker aktuelle Dienstleitungsangebote ab und spielen eine größere Rolle für Besucher und Aussteller bei der Vor- und Nachbereitung von Messen. Von unserem Dienstleister erwarte ich, dass er beide Bereiche professionell bedient und mit kreativen Ideen weiterentwickelt. Es gilt, stets am Puls des Messegeschehens zu sein.

NFM:
Also spannende Aussichten oder schwierige Zeiten?

Markus Geisenberger:
Das Messegeschäft ist schwierig und spannend zugleich. Ich sehe aber vor allem die Chancen und Möglichkeiten. Daher kann ich mir keinen schöneren Arbeitsplatz vorstelle

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