Interview NEUREUTER FAIR MEDIA mit Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München International

NEUREUTER FAIR MEDIA (NFM):
Herr Dittrich, die Messe München feiert dieses Jahr Jubiläum und Sie blicken zurück auf eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre in der 50 jährigen Geschichte. Was macht die Messe München so erfolgreich?
 
Klaus Dittrich:
Von Beginn an haben sich viele kreative Köpfe mit Leidenschaft für unser Unternehmen eingesetzt und seine Entwicklung vorangetrieben. In den Gründungsjahren war es der Aufbau eines Messeportfolios, das noch heute trägt, darunter BAU, electronica, IFAT – und natürlich die bauma, die damals gekauft wurde und die bis heute unser Flaggschiff ist. Ein essenzieller Schritt war dann der Bau des neuen Messegeländes in den 1990ern: Damit bekamen wir den dringend benötigten Platz für unsere wachsenden Messen – und das Gelände ist noch heute eines der modernsten der Welt. Genauso wichtig ist die Internationalisierung, um unsere führende Position im globalen Wettbewerb zu stärken. Und: Seit vier Jahren leben wir einen intensiven Strategieprozess und richten das Unternehmen ganz auf Wachstum, Effizienz und Servicequalität aus. 
 
NFM:
Welche Erwartungen hat die Messe München für die nächsten 12 Monate?
 
Klaus Dittrich:
Auch 2014 werden wieder viele Highlights zu einem guten Ergebnis beitragen. So waren bei der Weltleitmesse für Umwelttechnologien IFAT im Mai alle Hallen und ein großer Teil des Freigeländes ausgebucht. Die AUTOMATICA im Juni verlief ebenfalls sehr erfolgreich – und im Herbst wird vor allem die electronica für volle Hallen sorgen. Dazu sind im September 20.000 Experten der Lungenmedizin bei der Jahrestagung der European Respiratory Society zu Gast. Und im November findet wie alle zwei Jahre die bauma China statt, längst die zweitgrößte Veranstaltung in unserem gesamten Portfolio. 
 
NFM:
Viele Aussteller überprüfen gegenwärtig die Effizienz ihrer Messebeteiligungen. Gehen die Unternehmen dabei rational genug vor?
 
Klaus Dittrich:
Die Aussteller schauen sehr genau, wo sie ihr Geld ausgeben. Sie überprüfen kritisch, was ihnen die Messepräsenz gebracht hat. So entsteht ein Ranking der Veranstaltungen und die Aussteller suchen sich die besten aus. Wir haben glücklicherweise viele Messen im Portfolio, die weltweit die Nummer 1 in ihrer Branche sind.
 
NFM:
Immer wieder wird über den wachsenden weltweiten Messewettbewerb gesprochen. Welche Chancen geben Sie mittelfristig dem Standort Deutschland? 
 
Klaus Dittrich:
Der deutsche Messestandort handelt aus einer Position der Stärke heraus. Entscheidend für den künftigen Erfolg ist die weitere Internationalisierung des Messegeschäfts, unsere Positionierung in den dynamischen Wachstumsmärkten rund um Globus. Da geht es den Messegesellschaften nicht anders als ihren Kunden.    
 
NFM:
Überall in der Branche wird über rückläufige Ausstellerzahlen gesprochen, Sie bauen 2016 zwei neue Hallen. Was stimmt Sie so zuversichtlich, diese auch langfristig füllen zu können?
 
Klaus Dittrich:
Vier unserer Messen – bauma, BAU, IFAT und ISPO – platzen quasi aus allen Nähten und wir haben lange Wartelisten. Bei vielen weiteren Messen verzeichnen wir immer neue Rekordzahlen. Wenn wir die großen Messen dauerhaft halten wollen, müssen wir ihnen den nötigen Platz bieten. 
 
NFM:
Die Messe München hat bereits ein umfangreiches Messeprogramm. Was tun Sie, um neue Messen zu entwickeln? Oder ist der Markt für Messethemen gesättigt?
 
Klaus Dittrich:
Wer wachsen will, muss das vor allem im Ausland tun. Unsere Kernstrategie: Wir exportieren unsere starken Messemarken in die dynamischen Wachstumsmärkte rund um den Globus, veranstalten dort regionale Spin-offs. Die globale Leitmesse bleibt aber in München, hier trifft sich die gesamte Branche, hier werden die meisten Innovationen vorgestellt. Natürlich schauen wir auch auf neue Themen. Im August eröffnen wir beispielsweise in Peking eine Musikinstrumenten-Messe, die sich an den chinesischen Endverbraucher richtet.  
 
NFM:
Behalten die realen Messen ihren Stellenwert angesichts virtueller Plattformen?
 
Klaus Dittrich:
Ich bin der festen Überzeugung, dass das jahrhundertealte Konzept der Messe sogar gerade in Zeiten der Digitalisierung seine Bedeutung behalten wird. Wer investiert, will schon genau wissen, wofür er sein Geld ausgibt, will Alternativen prüfen und seinem Handelspartner direkt in die Augen schauen. Eine internationale Leitmesse mit den neuesten Produkten kann dem Besucher in wenigen Tagen vermitteln, was derzeit weltweit State-of-the-Art ist, wo die Trends hingehen und ob es spannende Innovatoren oder Nischenanbieter gibt. Die digitale Kommunikation kann das Messe-Erlebnis dabei perfekt ergänzen, zum Beispiel zur Vorbereitung. 
 
NFM:
Die Messe München ist ja schon lange sehr erfolgreich im Ausland tätig. Letztes Jahr veranstalteten Sie erstmals eine Bauma in Afrika, für die wir auch die Medien-vermarktung übernommen haben. 
Wie wichtig ist für Sie eine fortschreitende Internationalisierung?
 
Klaus Dittrich:
Der Wettbewerb ist international und wer hier führend sein will, muss sich auch konsequent international aufstellen. Damit stärken wir unseren Heimatstandort. Beispiel bauma: Vor zwölf Jahren fand erstmals deren regionales Spin-off in China statt. Seither ist die Zahl der chinesischen Aussteller auf der bauma in München von acht auf 323 angestiegen. Genauso spannend: Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil unserer ausländischen Besucher insgesamt verdoppelt. Diese Zahlen sprechen für sich: Der Rückzug auf die heimatliche Scholle ist keine Option. 
 
NFM:
Aufgrund unserer überregionalen Präsenz auf allen großen Messeplätzen erkennen wir seit einiger Zeit, dass es immer wichtiger wird, den Ausstellern und Besuchern neben dem klassischen Print-Katalog ein breites Angebots-Spektrum von Informationsmedien on- und offline zur Verfügung zu stellen. Wie sehen Sie die Zukunft der Print-Kataloge und der Online-Portale? Was erwarten Sie dabei von uns als Ihrem Dienstleister?
 
Klaus Dittrich:
Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, den Service rund um die Messe zu verbessern. Letztlich muss man sich immer fragen: Was ist der Kern unseres Geschäfts? Als Messedienstleister geht es darum, Netzwerke zu schaffen, die richtigen Menschen zusammenzubringen. Beim Katalog ist es die Information. Diesen Kern muss man ins digitale Zeitalter transportieren und dabei den Mut haben, neue Konzepte zu wagen.    
 
NFM:
Also gute Aussichten mit spannenden Herausforderungen oder war früher doch alles besser?
 
Klaus Dittrich:
Jede Zeit hat ihre Herausforderungen, ihre Chancen. Wir bei der Messe München sind fest entschlossen, unsere Chancen auch zu nutzen – also eindeutig gute Aussichten. 
 

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